In tiefer Trauer und großer Dankbarkeit – zum Gedenken an Prof. Dr. Josef Settele.
Ein außergewöhnlicher Wissenschaftler, ein weitsichtiger Wegbegleiter und vor allem ein wunderbarer Mensch hat uns viel zu früh verlassen.
Mit tiefer Bestürzung, großer Fassungslosigkeit und unendlicher Trauer haben wir vom plötzlichen und unerwarteten Tod von Professor Dr. Josef Settele erfahren. Sein Tod am 9. Oktober 2026 hinterlässt eine schmerzliche Lücke – in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft, in der Biodiversitäts- und Klimaforschung und ganz besonders bei uns, den Menschen der Bayerischen Klimaforschungsnetzwerke bayklif1 und bayklif2.
Wir verlieren mit Josef Settele nicht nur einen international herausragenden Wissenschaftler, dessen wissenschaftliche Exzellenz, außergewöhnliche Fachkenntnis und beeindruckende Weitsicht weit über die Grenzen seines Forschungsgebiets hinaus Anerkennung fanden. Wir verlieren einen Menschen, dessen Herzlichkeit, Bescheidenheit, Geduld und außergewöhnliche menschliche Größe uns über viele Jahre begleitet, getragen und tief berührt haben.
Als langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bayerischen Klimaforschungsnetzwerke bayklif1 und bayklif2 hat Josef Settele unsere gemeinsame Arbeit in einer Weise geprägt, die weit über seine wissenschaftliche Beratungsfunktion hinausging. Mit unermüdlichem Engagement, großer fachlicher Souveränität und einer nahezu grenzenlosen Geduld hat er die Forschungsarbeiten beider Netzwerke begleitet, wissenschaftlich bereichert und entscheidend mitgestaltet. Sein außergewöhnlicher Blick für die großen Zusammenhänge, seine Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Fragestellungen einzuordnen, und sein tiefes Verständnis für das Zusammenspiel von Klimawandel, Biodiversität, Landnutzung und gesellschaftlicher Verantwortung waren für uns von unschätzbarem Wert.
Josef Settele gehörte zu den weltweit angesehensten Biodiversitätsforschern unserer Zeit. Als Leiter des Departments Naturschutzforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), als international anerkannter Experte für Insektenökologie und Biodiversität sowie als einer der drei Vorsitzenden des wegweisenden Globalen Berichts des Weltbiodiversitätsrates IPBES hat er die wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt maßgeblich geprägt. Seine Mitwirkung an den wissenschaftlichen Arbeiten des Weltklimarates IPCC, sein langjähriges Engagement in der wissenschaftlichen Politikberatung und seine zahlreichen internationalen Forschungskooperationen zeugen von einer wissenschaftlichen Lebensleistung, die weit über einzelne Disziplinen und nationale Grenzen hinausreicht.
Zu seinen besonderen Verdiensten gehörte es, die tiefgreifenden Verbindungen zwischen dem Schutz der biologischen Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und der Verantwortung des Menschen für die natürlichen Lebensgrundlagen sichtbar zu machen. Dabei war ihm stets wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur zu gewinnen, sondern sie auch verständlich zu vermitteln und in gesellschaftliches und politisches Handeln zu übersetzen. Für sein herausragendes Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinz-Sielmann-Ehrenpreis und dem EuroNatur-Preis.
Doch so beeindruckend diese wissenschaftlichen Leistungen auch sind – für uns bleibt vor allem der Mensch Josef Settele unvergessen.
Trotz seiner internationalen Reputation und seiner vielfältigen Verpflichtungen begegnete er allen Menschen mit derselben selbstverständlichen Offenheit, Freundlichkeit und Wertschätzung. Er nahm sich Zeit, hörte zu, fragte nach, ermutigte und vermittelte selbst in schwierigen Situationen Zuversicht und Orientierung. Seine außergewöhnliche Gabe, Menschen zusammenzuführen, unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven miteinander zu verbinden und andere für gemeinsame Ziele zu begeistern, machte ihn zu einer ganz besonderen Persönlichkeit.
Er musste nie seine wissenschaftliche Autorität in den Vordergrund stellen. Seine Kompetenz, seine Ruhe, seine Verlässlichkeit und seine Menschlichkeit sprachen für sich. Er führte nicht durch Distanz, sondern durch Nähe und Vertrauen. Er überzeugte nicht durch Lautstärke, sondern durch die Kraft seiner Argumente, seine fachliche Integrität und seinen respektvollen Umgang mit anderen. Auch bei unterschiedlichen Auffassungen blieb er ein geduldiger Zuhörer, ein fairer Vermittler und ein Mensch, der stets das Verbindende suchte.
Gerade diese seltene Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und menschlicher Wärme hat uns alle tief beeindruckt.
Für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der beiden Klimaforschungsnetzwerke, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle und für seine Kolleginnen und Kollegen im Wissenschaftlichen Beirat war Josef Settele weit mehr als ein herausragender wissenschaftlicher Berater. Er war ein verlässlicher Wegbegleiter, ein kluger Ratgeber, ein Mutmacher und ein menschliches Vorbild. Seine Unterstützung gab uns Sicherheit, seine Anregungen eröffneten neue Perspektiven, und seine Begeisterung für die Wissenschaft war immer wieder ansteckend.
Er hat nicht nur unsere Forschungsarbeiten bereichert, sondern auch das Miteinander in unseren Netzwerken auf eine ganz besondere Weise geprägt. Er hat uns vorgelebt, dass herausragende wissenschaftliche Leistungen, gegenseitige Wertschätzung und ein zutiefst menschlicher Umgang untrennbar miteinander verbunden sein können. Damit hat er Maßstäbe gesetzt, die weit über die Dauer der Forschungsnetzwerke hinaus Bestand haben werden.
Dass wir auf seine klugen Gedanken, seine fachliche Weitsicht, seine ruhige und besonnene Art und vor allem auf seine menschliche Wärme künftig verzichten müssen, ist für uns noch immer kaum zu begreifen.
Es fällt uns unendlich schwer, uns vorzustellen, dass er bei unseren Gesprächen und gemeinsamen Beratungen nicht mehr dabei sein wird. Dass seine vertraute Stimme, seine ermutigenden Worte, sein freundliches Lächeln und seine stets zugewandte Art fehlen werden. Dass wir ihn nicht mehr um Rat fragen, mit ihm diskutieren oder uns gemeinsam mit ihm über neue wissenschaftliche Erkenntnisse freuen können.
Sein plötzlicher Tod erschüttert uns zutiefst. Er reißt eine Lücke, die sich nicht schließen lässt – weder wissenschaftlich noch menschlich.
Und doch bleibt uns bei aller Trauer eine tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für die vielen Jahre vertrauensvoller Zusammenarbeit, für seine uneingeschränkte Unterstützung, für die unzähligen wertvollen Gespräche und wissenschaftlichen Impulse. Vor allem aber Dankbarkeit dafür, dass wir einem so außergewöhnlichen Menschen begegnen und ein Stück unseres Weges gemeinsam mit ihm gehen durften.
Josef Settele hat Spuren hinterlassen, die weit über seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen, seine internationalen Verdienste und seine Erfolge in der Forschung hinausreichen. Es sind Spuren in den Gedanken, im Handeln und in den Herzen der Menschen, die ihm begegnen durften. Diese Spuren werden bleiben.
Unsere Gedanken sind in diesen schweren Tagen bei seiner Familie, seinen Angehörigen, seinen Freundinnen und Freunden und allen Menschen, die ihm nahestanden. Ihnen gilt unser tief empfundenes Mitgefühl. Wir wünschen ihnen von Herzen Kraft, Trost und Zusammenhalt in einer Zeit, für deren Schmerz Worte kaum ausreichen.
